Migräne

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Diese Geschichte beginnt nicht mit den klassischen Worten „Es war einmal…“, denn einmal trifft hier keineswegs zu. Es beginnt an dieser Stelle also mit „Es war mal wieder“ im Schädeltal, wo es ab und zu nicht mit rechten Dingen vor sich geht. Denn hin und wieder und ohne jegliche Spur von Regelmäßigkeit geschehen an verschiedenen Orten des Physislandes Dinge, die den Wächter des Tals erwecken. Der Wächter des Schädeltals ist ein urgewaltiges, mächtiges Wesen. Langsam erwacht er aus seinem Schlaf, den ihm die Ruhe im Schädeltal sonst bringt. Der Wächter ist mit all seinen Sinnen mit dem Tal und seiner Natur verbunden. In der Ferne hört er wie der schwarze Aurasumpf zu blubbern beginnt. Er schlägt seine Augen auf, aber schwarze Flecken trüben seine Sicht. Der Wächter weiß, dass es nun wieder einen Angriff auf das Schädeltal geben wird.

Nicht immer bekommt er das Zeichen von den Sümpfen. Die Zeichen können grundverschieden sein, aber der Wächter erkennt sie alle. Langsam erhebt sich der Wächter und tritt seinen Weg durch das Schädeltal an. Er will den Turm der Träume erreichen. Denn der Wächter weiß, nur dort kann er die kommenden Katastrophen überall in der Physis überstehen. Seine schweren Schritte hallen durch das halbe Schädeltal, die Erde bebt. Der Kopf des Wächters pocht mit dem Beben.

Von den Faustbergen ertönt ein seltsames Geräusch…ein Gewitter. Die Blitze zucken auf den Bergkamm herab und hinterlassen im Gestein ein Kribbeln, ein betäubendes Kribbeln. Die Arme und Hände des Wächters werden schwer. Er weiß, er wird dort bis auf ein Kribbeln gleich nichts mehr fühlen. Der Donner zieht weiter über das Schädeltal und das tiefe Grollen mischt sich unter das Beben der Wächterschritte. Die Dunkelheit breitet sich aus.

Ein Geruch von Feuer und Schwefel zieht in die Nase des Wächters und verschließt sie. Der Wächter weiß, dass der Geruch vom Magentum-Vulkan kommt. In der Ferne hört er, wie das Magma zu brodeln beginnt. Die Übelkeit steigt in dem Wächter auf und er hofft, dass er zum Turm der Träume gelangt, bevor der Vulkan ausbricht.

Der Wächter versucht seine bebenden Schritte zu beschleunigen. Er erreicht die Hirnschluchten und macht sich auf die Suche nach der Perle der Ruhe. Schon oft hat er die wundersame Perle mit Heilkräften hier gefunden. Wie auch diesmal erblickt er den schimmernden Glanz zwischen den Felsformationen. Der Wächter weiß, die Perle wird dem ganzen Tal einen Schutz verleihen und das Beben seiner Schritte dämpfen.

Er setzt seinen Weg zum Turm der Träume fort. Der Weg ist lang und sehr anstrengend für den Wächter. Wie bei jedem Angriff auf das Schädeltal beginnt er sich zu fragen, warum dies sein Schicksal sei. Das Beben seiner Schritte hallt in seinem Kopf wider. Ein seltsamer Druck legt sich auf eines seiner Augen. Er hat die Augenhöhlen erreicht. Der Wächter ringt um seine Fassung, er wird wütend. Die Schmerzen des ganzen Tals zu ertragen, das soll sein Schicksal sein? Der Wächter weiß, der Druck wird nicht von ihm ablassen. Erzürnt stapft er durch die Höhle, das Beben seiner Schritte ist unerträglich laut. Mit all seiner Kraft drückt er gegen die Wände der Augenhöhle. Er spürt die Wut in seinem Bauch, sie breitet sich in seinem gesamten Körper aus. Wütend spuckt der Magentum-Vulkan Funken in die Luft. Der Wächter weiß, das Tal wird brennen.

Er muss weiter durch die Gänge der Höhle, er muss den Turm der Träume erreichen. Langsam weicht die Wut und Verzweiflung breitet sich in ihm aus. Aus der Ferne hört er ein seltsames Knacken. Es sind Risse im Gestein, Risse an der Quelle des Tränenflusses. Der Wächter fragt sich, ob der Tränenfluss die Flammen im Schädeltal löschen könnte, doch der Wächter weiß, das kann der Tränenfluss nicht. Mit bebenden Schritten stapft er weiter.

Der Turm der Träume ist in Sicht. Noch schwerer werden die Schritte des Wächters. Der Weg erforderte seine ganz Kraft. Stufe für Stufe erklimmt er die Treppen des Turms. Seine Kraft schwindet, seine Schritte werden wieder leichter. Das Grollen hallt in der Ferne. Der Wächter hat die Spitze des Turmes erreicht und um ihn herum wird alles dunkel. Der Wächter schließt die Augen und er hofft, dass er die Augen nicht so schnell wieder öffnen muss. Er ist glücklich darüber, dass nicht alle Teile der Physis getroffen wurden und er ist stolz, denn der Wächter weiß, das Schädeltal wird jeden Angriff überstehen.

Verfasst von: Charleen